Mennoniten

Kennt jemand noch das Land der Ahnen
das stille Land am deutschen See?
Schon sind Jahrhunderte von dannen
dahin geströmt in Ach und Weh.
In Freud und Leid zu jenem Strande
ins Meer der großen Ewigkeit.
Kennt jemand noch die Niederlande
die längst entflohene alte Zeit?

Ein wehrlos Volk nach Mennos Weise
sich dort vereint zusammenschloß:
Im Glauben fest, zu Gottes Preise,
die Frucht des Glaubens dort genoß.
Ein Volk, das Gott sich auserkoren,
ein junges Volk, doch jetzt schon alt,
ein Volk, das wohl als Deutsch geboren,
es doch als Volk des Höchsten galt.

Mal wo geduldet, dann getrieben
Erwirbt es sich den guten Ruf,
mit stille sein den Feind zu lieben,
des Sinn die Liebe Christi schuf.
Es trägt kein Schwert damit zu töten,
es trägt kein eisern Schild zum Schutz.
Sein Schild ist Gott in allen Nöten,
des starken Arm sein fester Trutz.

Nie soll der stolze Held sich brüsten,
mit Spieß und Helm ein Held zu sein!
Sich gegen seinen Feind zu rüsten,
das ist nicht Heldenmut, o nein!
Der wahre Held beugt sich im Staube
vertrauensvoll vor seinem Gott;
sein Heldenmut ist ihm sein Glaube,
die Liebe ihm ein treu Gebot.

Kein Mensch darf ihm zum Feinde werden;
sein Feind ist ihm sein eigen „Ich".
Die Macht des Bösen hier auf Erden,
die Macht, die von dem Lichte wich.
Kennt jemand noch die stillen Ahnen,
den Geist der Demut und der Treu,
die Stimme ihrer leisen Mahnen?
So lasset doch in tiefer Scheu,

Uns Frieden ihrer Asche sagen,
den heil'gen Boden den sie birgt,
ihr Werk laßt treu und weiter tragen
und wirken wie sie einst gewirkt.
Doch nimmer legt sich das Gefechte,
es bleibt noch heute, wie es war.
Das tolle Wüten dunkler Mächte,
verfolgt die wehrlos kleine Schar.

Gehetzt von Feinden Christi, fliehen
Sie in das Land der Preußen dort.
In ihren edlen Ruf gediehen,
verbreiten sie des Herren Wort.
Man duldet sie als gute Bauern,
und achtet sie an Christi statt,
mit Gott erklimmt sind bald die Mauern,
wer das wohl recht erfahren hat.

Der Weg zum Himmel bleibt ja offen,
und Leiden ist des Christen Los.
Doch wenn Dieselben eingetroffen,
birgt man sich nur in Gottes Schoß.
Das hatte unser Volk erfahren,
in stiller Demut es gelernt;
in all den schweren Trübsalsjahren,
hat Leid sie nie von Gott entfernt.

Doch Wohlstand, stille Friedenstage,
wie Reichtum, Habgier und Gewinn,
stets brachten unserm Volk die Plage,
verdarben dessen edlen Sinn.
Wo früher man die besten Kräfte
Getreu dem Herrn im Dienst geweiht,
da trieb man jetzt die Weltgeschäfte,
und nannte es „die goldne Zeit".

Kennt jemand noch das alte Preußen,
die stolzen Fürsten jener Zeit?
Die großen Herrschaften von Thiessen
In jener alten Üppigkeit?
Weiß jemand noch den Bauer zu schätzen,
sein wirtschaftliches Wohlgedeih'n?
Nach mennonitischen Gesetzten,
der reichste Mann im Dorf zu sein?

Doch Gott, der seines Volkes Hirte,
läßt Seine Herde nie im Stich.
Er weiß sie treulich zu bewirten,
er weiß woran es ihr gebricht.
Er kennt das übersatte Gähnen
Des schlaffen Körpers Müdigkeit;
Der stillen Seele ängstlich Sehnen,
die geistliche Gebundenheit.

Da sendet seinem Volk zur Hilfe
Des Lebens harter Gegensatz:
Wenn unsre Seele stürb',- Was hülfe
Uns wohl der größte Erdenschatz?
Nach Sonnenschein, folgt trübes Wetter,
und umgekehrt - ein Urgesetz.
Das ist und bleibt: Wie süß und bitter
Des Lebens großer Gegensatz.

Wer kennt das Volk der deutschen Ahnen,
Das Moor, die Heid', den Rhein, die Spree,
die stolzen Burgen der Germanen,
die Möwen auf der nord`schen See?
Wer kennt sie noch? Ein heil'ger Schauer
durchrieselt da das bebend Herz,
der bleibe steh'n in tiefer Trauer,
der blicke sehnend Himmelwärts.

Der neige sich zum Abschied nieder,
und küsse noch einmal das Land,
den Ahnenboden, den ob wieder
zurück du kehrst in dieses Land?
Der Herr will einen Weg dich führen,
den wunderlichen, harten Weg.
Zwar sollst die Heimat du verlieren -
Doch halte aus und sei nicht träg!

Die Fremde soll dir Heimat werden,
(Ob sie es je gewesen ist?)
Gibt's eine Heimat hier auf Erden?
Ich habe sie noch stets vermißt.
Ob unsre Väter wohl in Schulden
Vor ihren Landsherrn, -ach, wer weiß?
Doch will man sie nicht länger dulden
Und bald darauf folgt ein Verweis.

Man sucht dem Mann das Recht zu rauben.
Weil er verwegt das Schwert nicht trägt.
Verspottend höhnt man seinen Glauben,
doch fest er bleibt und unentwegt.
Er will sich nicht so leicht ergeben.
Sollt Gott nicht sorgen weiterhin?
Doch immer schwerer wird das Leben-
Da kommt der Ruf der Kaiserin:

„Wer möchte wohl nach Rußland ziehen?
Nur frisch gewagt, der kommt nicht um!
Das Freiheitsrecht sei euch verliehen,
Nehmt hin das Privilegium!
Schon Tausend und Fünfhundert trecken
Dem unbekannten Osten zu.
Und Gottes Flügel möge sie decken,
wann bringt der Herr sein Volk zu Ruh?

Einst hat das Wandern hier ein Ende,
dann hört das bittre Klagen auf.
Streckt glaubensfest empor die Hände
Er wird vollenden euren Lauf?
Weiß jemand noch am Dnjeprstrande
(Du armes Mennonitenkind)
Die erste Nacht in fremden Lande
Der Wüstensteppe, freien Wind?

Die deutsche Eiche dort inmitten,
in jenes fremden Landes stehn,
in ihrer mächt'gen Zweige Schatten,
bis dahin sie nur Wild gesehn?
Hier sind die heimatlosen Kinder
Als ob aus einer andern Welt,
und doch als schuldbelad'ne Sünder
so mütterlich umarmet hält.

Ja, weißt du noch die unbewußte
und freudelose Wirklichkeit?
Wie in der harten Neulandsküste
sich müh'voll Furch an Furche reiht?
Wie dort um Chortitza man Hütten
Aus wilden Strauch und Lehm gebaut?
Und dann so manche Not erlitten
bei Erbsenbrot und wilden Kraut?
 
Bis erst nach vielen, schweren Jahren,
Nach vieler Arbeit, großer Müh
bevorzugt von der Gunst des Zaren,
die schönsten Kolonien erblüh'n!
Molotschna, Chortiza und Tiege,
Samara, Orenburg, Tokmak.
Am Ingular wo deine Wiege
vielleicht gestanden - Arkadak.

Im schönen Kaukasusgebiete,
auch in der Krim und Kirgistan-
dort wohnt der fromme Mennonite,
der stille arbeitsame Mann.
Doch was sind unsrer Werke Früchte
Verglichen mit des Herrn Geduld?
Man nehme Israels Geschichte
Als ein Exempel Seiner Huld..

Wer kann Jehova's Schmerz ermessen,
die unsre Sünde Ihm gemacht?
0, Menschen, laßt uns nie vergessen
der Sünden Folgen, kämpft und wacht!
Gott hat Sein Volk zu allen Zeiten
in väterlicher Zucht gestraft.
Er will sein Volk sich zubereiten,
Und das 0, weh ! die Zucht nur schafft!

Daher so viele, viele Tränen,
die unsres Ungehorsams Schuld
zur folge trägt, o tiefes Sehnen,
still Du es Herr, und gib Geduld!
Ja, trage wie du uns getragen,
und liebe wie du uns geliebt!
Herr, schlage wie Du uns geschlagen
Da wir Dich tausendmal betrübt.

Nur laß uns nicht aus Deinen Händen
erhalte uns in Deiner Zucht,
damit wir fest im Glauben ständen,
Herr, mehre unsres Herzens Frucht!
Erinnert wer sich jener Tage,
und unsrer Väter Lauigkeit?
Da wäre wohl nicht viel zu sagen,
spricht jemand in Verlegenheit.

Es darf ja nicht so streng genommen,
mal da ein Schnäppschen, da ein Tanz.
Das darf man doch! Es muß so kommen,
beruhigt sich der gute Franz.
Dazu die dicke Tabakspfeife,
(der Omtchis liebstes Instrument)
gehörte auch zur Mannesreife
nicht wahr? Ein feines Suplement!

Man war so mit sich selbst zufrieden,
und baute Kneipen, hier und da,
Es mangelt uns ja nicht hienieden
wir sind ja reich wir haben's ja!
Der Bauer freut sich seines Landes,
Die Bäuerin sich ihres Herds
der Lehrer seines hohen Standes
der Fabrikant sich seines Werts.

Und alle sind sie fromme Leute,
aus edlem Mennonitenstand.
Das hat doch etwas zu bedeuten
In dem so ungebild'tem Land!
Da sieht man doch die fremden Knechte
Natürlich nur als Russen an,
man schmälert ihre Menschenrechte,
ganz wie's ein jeder weiß und kann.

Jasch Hübert ist im Dorf geboren,
"Em ditschen Darp!" und das genügt.
Das er sich wähnt als auserkoren,
Er, welcher über sie verfügt.
Das man sich stille vor ihm beuge,
und man ihn anerkennt als Herrn.
Ob dem so war? Das wissen Zeugen
das solche "Hüberte" viel warn.

Und Trien die niemals wo gewesen,
(Man war ja furchtbar provinzial)
Trotzdem, man konnte schreiben, lesen,
die meinte ganz bestimmt der Quell,
des großen Wohlstands hier auf Erden,
und alles was der Mensch bedarf
Nun Häuser, Kleider, Brot und Pferde,
das kam direkt aus ihrem Dorf.

Da mache nur des Kaspers Hänsel
Der Trien ein Heiratsangebot!
Aus fremden Dorf! Den langen Bengel?
Na oba nee ! Bewoa mi Gott!
Das war des Dorfs Charakterzeichen:
Nein, Grüntal ist die beste Welt!
Ist Orenburg wohl zu vergleichen
mit unserem schönen Friedensfeld?!

Das hat dann manche Schlägereien
denn Dörflern Jungens oft gekost't,
dazu kam noch die Dienstforsteien,
Ach, war "den Tjedls daut ene Laust!"
Auf hohen Niveau verdorben,
der Schabernack nach Tradition.
Aus früher`n Zeiten mitgeorben
des Bauern Sohn harmloser Hohn.

Da hat man aus dem Stall die Karren
Ins Feld zum Dorf hinausgeschleppt,
Oder man hat nach gut verfahren
Die Wagen alle umgekippt.
Das ist so ganz nach edler Weise,
ein jeder treibe, wie er's kann.
Man blieb so in dem alt Geleise
Weil man' ja immer so getan.

Und wenn am Sonntag stillen Morgen
man fromm durchs Dorf zur Kirche fuhr,
dann blieb doch immer nur das sorgen,
(Zwar eine kleine Sorge nur)
Ob um der Kutsche fein Geschmeide,
um seiner Rosse Prunkgemach,
Man ihn, Herrn Krüger auch beneide.
Darüber dachte Krüger nach.

Auch wenn am Fenster dort ganz stille
Er in der Kirche saß voran;
Dann schielt sein Auge auf die Kanzel,
das andere auf das Rossgespann.
Doch sei's genug mit dem Getadel..
So schlecht warn doch die Ahnen nicht.
Das war ja nur der reiche Adel,
der Bauer blieb doch fromm und schlicht.

Und ob dem alles so gewesen?
Gott kennt der Herzen Nichtigkeit.
Auf jeden Fall, Gott will genesen
Der kranken Seele Schmerz und Leid.
Schon lange regt ein heimlich
Sehnen sich in den Herzen Tag und Nacht,
all derer, die mit heißen Tränen
des Volkes Not vor Gott gebracht.

„0 laß des Geistes sanftes Wehen,
das sündbelad'ne Herz durchzieh'n!
Geleite uns zu neuen Höhen,
laß deinen Geist nicht von uns fliehen!'
Und bald der Herr das Flehn erhörte,
weil Er ein Gott der Liebe ist.
Ein Mann wird ihnen zugeführet,
der fromme Pastor Eduard Wüst.

Da zieht ein neuer Strom des Lebens,
durch alle deutschen Dörfer Reihn;
die Predigten sind nicht vergebens:
Den frommen gottesheil'gen Schein
Verdrängt ein wahres "IN-Sich-Gehen"
Und reuig sich vor Gott gestellt,
und jeder fühlt des Geistes Wehen,
der hier in Staub und Asche fällt.

Dann fängt nach segensreichem Wirken
der glimmend Docht zu brennen an.
Das soll sich jedermann schon merken,
das Gottes Geist dies wirken kann!
So traten aus der Altgemeinde
Die neubelebten Brüder aus.
Die Folgen? Wie gewöhnlich Feinde,
sie trugen's in die Welt hinaus.

Der Alten Kirchenväter Klagen
drang schließlich bis nach Petersburg.
Nun fing es an ein Hetzen, Jagen,
doch blieb besteh'n das neue Werk.
Am Ende wurden sie geduldet,
vom Staat dann auch legalisiert.
Doch wurden weiter sie beschuldet
Und Satan hat das Feuer geschürt:

Weil sie es manchmal übertrieben
In ihrem Wandel, selbst indem,
wo sie sich meinten recht zu lieben,
sie schandhaft vielen ins Extrem."
Das ist des Satans alte Taktik;
Er wirft sein Opfer in denn Kot.
Dann stellt er es am Pranger nackend
Und exponiert Sein Angebot.

Doch weg muß Satans Taktik schwinden,
der Herr hat's wohl hinaus geführt,
Der Seinen Wunden zu verbinden
Das hat sein Volk schon oft verspürt.
Zum ersten mal in der Geschichte
ein Russenbruder Bruder wird,
zum mennontischen Geschlechte,
hat ihn der Herr hinzugeführt.

Man geht zurück zur wahren Taufe
der Wiedertäufer alter Art,
bis dann nach einem Zeitverlaufe
sie sich versammelten appart.
So bilden Rußlands Glaubensbrüder
die Brücke zum Babtistenstand;
Als Freundschaftzeichen: Johann Wieler
wird dieses Bundes Präsident.

Ein neues wirkungsvolles Schaffen
wirbt nun der Jugend Kräfte an:
Man greift zu des Erlösers Waffen
Und manches Herz dadurch gewann.
Kennst du die Zeit voll Segen triefend,
da Land und Kirche neu erblühen?
Kennst du des Heilands Geist dich prüfend,
in deinem Herzen heiß erglühen?

Vom Himmel floß der Friedenssegen
Der Menschen höchstes Glück und Gut;
Der sanfte, stille Gottesregen,
er gab den Gotteskindern Mut.
So geht die Zeit von Gott gegeben,
so fliehn die Lebensjahre hin..
Und wie viel nahmen ew'ges Leben
von diesen Tagen zum Gewinn!

Doch stille ist's um Zions Höhen,
bald schlägt es Mitternacht vom Turm.
Wer ahnte es, was wird geschehen?
-O tiefe Stille vor dem Sturm!
Geheimnisvoll dringst du ins Herze
Zerstäubst der Sinnen Wirbeltanz;
Ein dumpfes Ahnen voller Schmerzen
umfängt den matten Körper ganz.

Schon Blitze zucken, Donner rollen
Und tobend schäumt das Völkermeer
Die einen wissen was sie wollen,
die andern wissen nimmer mehr.
Die Welt erglüht in heißen Flammen,
man hört ein schaurig Kriegsgeschrei.
Das Schwert gepackt! In Gottes Namen!
Wer macht uns Menschen endlich frei?

Erbittert kämpft man um die Rechte,
das Land durchzieht die Revolution,
und in dem blutigen Gefechte
stürzt über Nacht des Kaisers Thron.
Da, über Rußlands weiten Fluren,
ein neuer Sturm- der Bürgerkrieg.
Man will die neue Macht zerstören,
sie, die im Kampf behielt den Sieg.

Verschwörung, Banden, Interventen,
und vieles andere wird bekämpft;
die Kraft der Konterelementen,
die kunstvoll alles Neue dämpft.
Dies alles ängstlich man verfolgte
im deutschen Dorf- wie nie zuvor
steigt eine schwarze Wetterwolke
wie Nacht am Horizont empor.

Es drohen rohe Mörderhorden
Machno's Gesindel auf sie ein,
Nun war es wirklich Nacht geworden;
Und Väter, Mütter, Kinder schreien.
Sie wälzen sich im Blut ermordet,
und ganze Dörfer werden leer!
Die Rache unersättlich fordernd:
0 Sünde! Gib dein Opfer her!

Und da! Welch furchtbar, schrecklich Grauen,
man geht als ob zum Friedhof hin,
das Dorf in Schutt und Asche schauend,
Und Satan feiert den Gewinn.
Seht nur! Die Hölle muß erbleichen,
ein junger Mann ermordet liegt.
Dazu die Frau, 6- Kinderleichen,
und eins sich an die Mutter schmiegt.

0, unerforschlich die Gerichte!
Wer kann's ermessen und versteh'n?
Doch dieses ist ein Stück Geschichte,
Ob Gottes Plan es vorgeseh'n?
Ihr jungen Menschen jener Tage,
ihr grauen Häupter unserer Zeit!
Ihr kennt des Volkes große Klage,
euch schmerzt noch jenes Herzeleid.

Wir wissen, was in euren Herzen,
warum das trübe Auge feucht;
Kann das ein Menschenherz verschmerzen?
Die Ewigkeit vergälte es euch!
Wer kennt die ersten, großen Schritte
Auf gänzlich neuer Bahn gelenkt?
Ein neues Lied. Die alte Sitte
Wird in den Hintergrund verdrängt.

Das Leben sprang aus dem Geleise,
ein neues Werk ins Leben rief.
Doch weil es nicht nach Väter Weise,
hält sich der Bauer hier passiv.
Natürlich hilft ihm hier kein Wehren,
und schließlich fügt er sich dem Staat;
Ob gut, ob schlecht, wie dem nicht wäre,
man war des alten Leben satt.

Ob satt, nicht satt, was ist zu machen?
Das Neue bricht sich bald die Bahn:
Man fängt, nachdem die Stützen brachen
Das Kollektiv zu bauen an...
Die Industrie macht Riesenschritte,
rapid schwingt sich das Land empor,
man baut Fabriken, neue Häuser,
und vieles, welches nie zuvor,

Im alten Rußland da gewesen...
Und was sagt unser Mennonit?
Er sagt: Laß mich die Bibel lesen
Und Raub mir nicht mein Ahnenlied!
Doch raubt man's ihm. Der Geisteshunger
weckt aus dem Schlaf die Lauigkeit...
Da war der alte Bauer Unger
(Er ruht schon in der Ewigkeit).

Man hatte ihn aufs strengst' verwiesen
(Dabei die Rechte ignoriert)
Nicht öffentlich das Wort zu lesen,
und später ihn dann repressiert.
Da war Jasch Wiens, der emigrierte
Mit vielen Andern übers Meer.
(Nach Kanada der Herr sie führte)
So blieb die Kanzel endlich leer.

Jetzt fing man an daran zu denken,
was früher man gehabt: Wie was?
Man saß und gähnte in den Bänken,
es gab nicht mal mehr einen Vers.
Nun fing man an danach zu schmachten,
die matte Seele rief: O, Herr!
Wir möchten doch nach Oben trachten,
ist dieses wohl von ungefähr?

Die Zeit der Prüfung will beginnen!
Nun, der du gläubig bist, gibt acht!
Ob auch dein Glaube wird gewinnen?
In der so dunklen Todesnacht?
Die Jahre gehn, Jahrzehnte schwinden.
Schon sind die Dreißiger dahin...
Ob Mann und Frau sich wieder finden?
0, nur ein seltener Gewinn.

Nicht Vielen hat das Glück bescheret
Doch wie es sich dann auch gebührt,
Wer hat die Kinder all ernähret,
bis man die Väter rehabeletiert?
Dann plötzlich schlägt die Trauerkunde,
erschütternd tönt es an jedem Ohr:
Die neue Schlacht! 0 Schreckenstunde
Tritt dort am Westen rot hervor!

Die Macht der Nazi sich erhebet,
des Krieges schwarze Höllenbrut.
In Todesangst die Erde bebet,
ein neues Meer von Menschenblut
ersäuft der Völker friedlich Leben;
Ein neuer Weltkrieg, fürchterlich!
Wer will dem Krieg die Opfer geben?
Ein jedes Land beteiligt sich.

Und brausend schäumt im Weltgefechte,
Das Völkermeer in Haß und Wut,
zerfleischen sich die großen Mächte
mit Waffen ärgster Feuerglut.
Im wilden Krieg die Städte brennen
Und Dörfer werden hingerafft;
Der goldne Weizen auf den Tennen
Die Rebe dort im frischen Saft.

Nun, alles was der Mensch auf Erden
gebaut, geschaffen, all sein Schatz,
muß schonungslos vernichtet werden,
das ist das rauhe Kriegsgesetz.
Gott lenkt das Los der Nationen
In dem so großen Welt Gebraus,
er wird der Völker Schmerz belohnen,
er führt es wunderbar hinaus.

Auch mit den Deutschen Kolonien,
so war es wohl nach Gottes Plan;
Sie sollen aus der Heimat ziehen,
nun fängt des Volks Zerstreuung an!
Jetzt sollst du Hab und Gut verlassen,
die Stätte, die du hier gebaut.
Und Häuser, Gärten, breite Straßen,
kurz, alles was dir lieb und traut.

Ja, alles sollst du hier begraben,
was du im Leben hier gesät:
Das Böse, all dein enges Haben,
auch deine Provinzialität.
Den hohen Namen, all dein Wissen,
daran dein ganzer Stolz ernährt.
Dein Geiz, dein ICH und alles dessen
Das dich vor deinem Gott entehrt.

Nur eines sollst du nicht verlassen,
das eine nimm dir mit, wenn du
auf fremden, ungebahnten Straßen
hinziehen wirst, dann sei getreu!
Auf dieses eine sollst du bauen,
und das dir tausendfach gebricht:
Ist deiner Ahnen Gottvertrauen,
dies teure Kleinod lasse nicht!

Des Krieges grausames Theater
Zieht wie ein Riesenpanoram
nach Osten hin, doch etwas später
Zurück ins Land, daher es kam.
Jetzt trecken rußlandsdeutsche Wagen
in Sturm und Schnee dem Westen zu;
Ein banges Seufzen, Ängste Klagen
erfüllt die Herzen - keine Ruh.

Kein Obdach mehr... Auf fernen Weiten
winkt uns der Zukunft Schattenriß;
Indessen sich die Mächte streiten,
wo keiner sich des Siegs gewiß.
Doch endlich muß es Frühling werden,
nach Frieden lechzt die ganze Welt.
Schon sinkt das Schwert nieder zu Erde,
das Hakenkreuz vom Banner fällt.

Der Krieg ist aus.- Und Mennoniten?
Wo hat der Herr euch hinzerstreut?
Nach Polen, Deutschlands Ostgebieten,
in alle Lande weit und breit:
Aus Warthegau nach Südost Preussen,
nach Leibzig, Jütenborg, Berlin.
Die Andern ganz vom Ufer stießen,
um all den Elend zu entfliehen.

Und wir? Gott gab uns das Geleite
Nach Wologda und dem Ural,
hin nach Sibiriens Schreckensweiten,
(ach, meiner Jugend Tränental!)
Nach Kasachstan, in alle Welten,
hat uns der Herr hinausgestreut.
Viel Trübsal, Hungersnot und Kälte
War unser Teil. Doch was ist heut?

Die Trübsal hat uns fein geschliffen,
so manches haben wir gelernt.
Ja, vieles hat man jetzt begriffen
davon man früher weit entfernt.
Ich glaube, wir sind besser worden?
Doch ob wir's sind, das weiß der Herr!
Auf jeden Fall, wir wollen's werden,
ein jeder sich darum bekehr!

Denn heute leben wir in Gnaden,
gefallen ist die schwere Last;
Was da gewesen, soll nicht schaden,
sei still, und halte was du hast.
Doch dazu mußt du etwas haben,
nicht nur dein Mennonitentum!
Der Friede Gottes muß dich laben,
das sei dein ewig wahrer Ruhm!

Es gelte jetzt nicht mehr dein Name,
der früher von so hohen Wert,
doch bleib am Mennonitenstamme,
wenn noch dein Herz danach begehrt.
Als Christen sind wir Gotteskinder:
Ob Deutsche, Russen, wär's auch sei,
in Gnaden angenohm'ne Sünder
und das macht uns von Hochmut frei.

Das Nationalgefühl behalte,
getreu ein Deutscher stets zu sein!
Doch nie aus deinem Herze schalte
Für Andre das Gefühl, o nein!
Hier ist kein Anseh'n der Personen,
bei Gott sind alle Menschen gleich;
Aus allen Völkern, Nationen
Besteht das große Himmelreich.

In jenen Land der ew'gen Freuden,
wo nie ein Hauch von Trübsal weht;
wo nie ein Funken Erdenleiden
durch alle Himmelssäle zieht;
Dort über jenen hohen Sternen,
liegt deine Heimat, Mennonit!
Und in den goldnen, heiligen Fernen,
erklingt der Selgen neues Lied!


ENDE
Verfasser unbekannt.


PS. Dieses Gedicht hat eine Fortsetzung
   die für das Web nicht freigegeben  ist.
   Wer es haben möchte kann es bei mir
   anfordern. (viktor.vonsewen@web.de)

      

 

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