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Das Leiden unserer Mütter.
Es ist schon Dezember und kalt im Gefielt Die Erd' schon gefroren, in Nebel gehüllt, Der Regen und Schauer auch Schnee in sich hegt Und eisiger Wind durch die Straßen fegt.
Auf schmutziger Straße zum Stadttor hinaus Zieht langsam bewegend sich im Morgengraus Ein Menschenzug - lauter verurteilte Frauen O Gott, dich erbarm, dies Bild anzuschauen.
Die Füße gewickelt in Lumpen statt Schuh So tappen sie mühvoll und hungrig dazu Die Kleider zerrissen, nur Lumpen ganz leicht Umhüllt die Gestalten, die elend und bleich.
Der Tag ist so lang und die Kräfte zu End' O, gibt es denn heute gar keine Wend' Schon hier eine, dort eine sinken sie hin Gerade im Dreck, bei schwindendem Sinn.
O, habt doch Erbarmen, wir können nicht mehr Vor Hunger und Müdigkeit sterben wir hier, Doch Wächter zu Pferd, die drohen und schreien Nur vorwärts! - Hier gibt es kein Stillestehn.
Längst sind die Lumpen von den Füßen gerissen Und manche Frauen schon barfuß gehn müssen, Einen gellenden Schrei hört jetzt man von dort, O Himmel, gibt es den gar keinen Gott?
Ein tiefer, dumpfer Seufzer sich löst, Die Gefragte leis' einen Laut ausstößt Und weiter der Zug dieser Jammergestalten, Sich keuchend schlängelt ohne Rast zu halten.
Und noch mal ertönt jetzt der gellende Schrei, An der Verzagten Ohr vorbei O Anna, wenn ein Gott im Himmel wär' Der könnte nicht sehn' auf dies verzweifelte Heer.
O Liebste, nur nicht verzagen in dieser Stund' So kommt's jetzt entschieden aus der Müden Mund, Nur Gott ist's, der bisher die Kraft uns verleiht, Sonst wären längst alle dem Tode geweiht.
Der Weg ist noch weit und die Dämm' rung bricht an, Sie müssen zum Ziel, doch nur sacht geht's voran, Sie verlassen den Weg und gehen direkt Geradeaus zu dem Ziele, das ihnen gesteckt.
Jetzt geht's über Stoppel und Ackerland, Die eine fast so der anderen Hand Sich Vorwärts schleppend und seufzend - o weh! Mit bloßen Füßen in Matsch und Schnee.
So kommen endlich die matten Gestalten Ins Lager, in finstrer Nacht, der kalten Und sinken einfach hin in den Schmutz Manch' eine bewusstlos, bringt man sie in Schutz.
Als endlich im Trock' nem sie jetzt gesessen, Da gab's für sie auch noch etwas zu essen, So endete das Elend für dieses Mal, O, Gott bewahre vor noch solcher Qual.
(Bergtal, 1946. Gedicht von Elisabeth Penner, geb. Hamm)
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