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Kirchengeschichte
Kirchengeschichte ist die Geschichte der Gemeinde Jesu Christi. Der Herr Jesus sagte einmal zu Petrus: Matthäus 16, 18 "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." Und so hat der Herr im Laufe vieler Jahrhunderte seine Gemeinde gebaut. Wir wollen nun sehen, wie die geschah. Zuerst, aber lasst uns noch kurz über den Wert der Kirchengeschichte nachdenken.
1. Wert der Kirchengeschichte
Warum reden wir über die vergangenen Zeiten? Nur weil es interessant ist? Die Bibel aber sagt uns, dass da mehr dahinter steckt. Und zwar:
1. 1 Kirchengeschichte soll zur Ehre des Herrn dienen Psalm 78,1-4 "Höre, mein Volk, meine Unterweisung, neiget eure Ohren zu der Rede meines Mundes! Ich will meinen Mund auftun zu einem Spruch und Geschichten verkünden aus alter Zeit. Was wir gehört haben und wissen und unsre Väter uns erzählt haben, das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern; wir verkündigen dem kommenden Geschlecht den Ruhm des Herrn und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat." Darum geht es vor allem, den Ruhm, die Macht und die Wunder unseres Gottes zu verkündigen. Denn, wenn wir über die Vergangenheit der Gemeinde Jesu Christi reden, dann werden wir immer wieder staunen über die Führungen Gottes.
1.2 Durch Kirchengeschichte lernt man aus den Fehlern der Vergangenheit Psalm 78, 7-8 "das sie setzen auf Gott ihre Hoffnung und nicht vergäßen die Taten Gottes, sondern seine Gebote hielten und nicht würden wie ihre Väter. ein abtrünniges und ungehorsames Geschlecht, dessen Herz nichtfest war und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt." Viele Fehler in unserem Gemeindeleben können wir vermeiden, wenn wir die Kirchengeschichte studieren und nicht die Fehler wiederholen, die schon früher gemacht wurden von anderen Menschen oder ganzen Gemeinden.
1. 3 Die Kirchengeschichte dient zum besseren Verständnis der Gegenwart. Jemand sagte einmal:" Die Kirchengeschichte ist ein Gespräch der Gegenwart mit der Vergangenheit über die Zukunft." Und das ist tatsächlich so: viele Zusammenhänge unseres Lebens können wir nur durch das Verständnis der Vergangenheit erkennen und verstehen. Auch viele Bibelstellen werden uns durch die Kirchengeschichte klar. Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird auch die Gegenwart nicht verstehen.
1. 4 Die Kirchengeschichte motiviert zum Dienst. Wenn man die Kirchengeschichte studiert, wird man auf die vielen Berichte über die Märtyrer und Glaubenshelden stoßen. Es gab in der Geschichte viele Menschen, die bereit waren, für den Herrn Jesus Ihr Leben zu opfern. Bevor wir nun zu der Geschichte unserer Bruderschaft kommen, wollen wir noch einen kurzen Überblick über die gesamte Kirchengeschichte machen. Das soll uns helfen die vielen Zusammenhänge besser zu verstehen.
2. Kurzer Überblick der Kirchengeschichte.
Bis ca. 62 nach Christi haben wir eine genaue Beschreibung des Werdeganges der Gemeinde in der Apostelgeschichte. Was geschah danach? Man kann die ganze Kirchengeschichte in einige Perioden teilen: Altertum, Mittelalter, Reformation und Neuzeit.
2. 1 Altertum (100- 590) 1. Verfolgungen. Schon die erste Gemeinde in Jerusalem wurde verfolgt Im Anfang waren die Verfolgungen örtlich begrenzt, später wurden sie staatlich angeordnet ( Nero, Trajan). Aber die Gemeinde verbreitete sich unaufhaltsam 313 beendete der Kaiser Konstantin die Christenverfolgungen durch das so genannte Mailänder Edikt. 2. Irrlehren. Schon im 1 Jahrhundert gab es mehrere Irrlehren. Die bekannteste falsche Lehre war damals Gnostizismus. 3. Kanon der Bibel. Durch das Wirken des Heiligen Geistes wurden nur die Bücher von den Christen als Heilige Schrift anerkannt, die auch heute zu der Bibel gehören. 4. Oberherrschaft der Katholischen Reichskirche. Ab 313 wurden die anderen Religionen verboten. Viele Heiden wurden, zum Teil wider ihren Willen, christianisiert. Heidnische Gebräuche und Sitten strömten dadurch in die christlichen Gemeinden hinein. 5. Kirchenväter. Sie haben die christliche Theologie, die Lehre geschaffen. Zu ihnen gehören Johannes Chrisostomos, Augustinus, Hieronimus. Einen Teil ihrer Lehre kann man als Irrlehre bezeichnen. 6. Mönchtum. Im ersten Jahrhundert entstand das Mönchtum in Ägypten. Einige weitere Merkmale dieser Zeit waren: Entstehung der Marienverehrung, Heiligenverehrung, Entstehung der Sakramente, es wurde mit dem Bauen von Kirchen begonnen.
2.2 Mittelalter (590- 1517) 1. Entstehung des Papsttums. Ab 590 begann die Herrschaft des Römischen Bischofs über alle anderen Bischöfe. Er wurde als Papst bezeichnet. Der erste Papst war Gregor. Er war ein bedeutender Theologe, guter Prediger und Missionseiferer. 2. Islam. Die Moslems begannen mit ihren Eroberungskriegen. Sie eroberten unter anderem Jerusalem und Palästina. Das führte dann zur Gegenreaktion der Katholischen Kirche, zu den so genannten Kreuzzügen. 3. Kreuzzüge. Einige Jahrhunderte lang wurden Kreuzzüge zur Befreiung Jerusalems organisiert Die meisten, der insgesamt 6 Kreuzzüge (1 Kinderkreuzzug), waren überschattet von Morden an Zivilisten, Plünderungen und anderen Gewalttaten. 4. Spaltung der Kirche. 1054 spaltete sich die Kirche in eine westliche ( römische) und eine östliche (später Orthodoxe) Kirche. 5. Verfall des Papsttums. Die katholische Kirche wurde in Folge des Ablasswesens immer reicher und einflussreicher, die Priester brachen auf unmoralische Weise das Zölibat. Uneheliche Kinder waren an der Tagesordnung. 6. Reformbewegungen. Weil der Zustand des Papsttums so schlecht war, entstanden immer wieder neue Reformbewegungen. Unter ihnen Waldenser (Petrus Waldus) in Frankreich, John Wickliff in England, Johannes Huß in Böhmen.
2. 3 Reformation (1517 -ca.1600) 1. M. Luther. 1517 wurden die 95 Thesen von Luther veröffentlicht. Im wesentlichen richteten sie sich gegen den Sündenablass für Geld. Luther erkannte, dass Vergebung nur durch Gnade möglich ist. 2. H. Zwingli. Auch in der Schweiz in Zürich wurden durch Zwingli Reformen durchgeführt. Man hat vom Stadtrat aus versucht die Kirche zu reformieren. Und das führte dazu, dass einige Mitstreiter von Zwingli den so genannten "3. Flügel der Reformation", die Täuferbewegung, ins Leben riefen. 3. Täuferbewegung. Nach einigen Diskussionen mit Zwingli kamen die ersten Täufer zur Erkenntnis, dass Zwinglis Reformen nicht weit genug gingen. Sie wollten nicht die Beherrschung der Gemeinde vom Stadtrat hinnehmen, auch die Kindertaufe fanden sie unbiblisch. Am 21. Januar 1525 wurde in Zürich dis erste Glaubenstaufe (Erwachsenentaufe) durchgeführt. Konrad Grebel, Georg Blaurock und Felix Maintz standen an den Anfängen dieser Bewegung. Die Täufer wurden brutal verfolgt, breiteten sich aber wie ein Lauffeuer aus. Über die deutschsprachigen Länder gelangte die Täuferbewegung reihnabwärts bis in die Niederlande. Mutige Prediger zogen von Stadt zu Stadt und predigten die baldige Errichtung des Königreiches, Buße und die Glaubenstaufe. Sie wurden vertrieben, enteignet, eingekerkert, ertränkt und geköpft. So begann die Geschichte unserer Bruderschaft. In den Niederlanden begann man die Täufer als Mennoniten (Mennisten) zu bezeichnen, nach dem Namen eines Ältesten der Täufer Menno Simons. Aber darauf kommen wir noch kurze Zeit später. Den 4. Zeitabschnitt in der Kirchengeschichte kann man als Neuzeit betrachten.
2. 4 Neuzeit (ab ca. 1600 ) Hier einige wichtige Entwicklungen dieser Zeit 1. Pietismus in Deutschland. Pietismus heißt "Frömmigkeit". In dieser Bewegung ging es vor allem um die persönliche Erfahrung der Bekehrung und Wiedergeburt, so auch um ein persönliches Verhältnis zu Christus im Gebet und Bibelstudium. Pietismus ist eng verbunden mit den Namen Philipp Jakob Spenger (1635- 1705), August Herrmann Franke (1663- 1727) und Graf Zinzendorf (1700- 1760). 2. Methodismus in England. Der Methodismus ist in Folge eines großen erwecklichen Aufbruchs in England, der mit dem Namen John Wesley (1703- 1791) verbunden ist, entstanden. 3. Der Aufbruch des Atheismus. Das 19. Jahrhundert hat einen neuen Aufbruch der Gottlosigkeit mit sich gebracht. Namhafte Persönlichkeiten wie Ludwig Feuerbach, Karl Marx, Charles Darvin und Friedrich Nietzsche haben dazu beigetragen. Auch unsere Zeit wird immer noch dadurch geprägt. 4. Das große Jahrhundert der Mission. So wird das 19. Jahrhundert genannt. In diesem Jahrhundert blühte die Weltmission auf. Indien, Burma, China, Japan, die Südseeinseln, Korea, Indonesien, Afrika und andere Teile der Welt wurden vom Evangelium erreicht. Es gab viele Erweckungen in Europa, auch in Deutschland.
3. Die Geschichte der Mennoniten.
Wir haben schon kurz über die Täuferbewegung gesprochen. Die Wurzeln dieser Bewegung waren in der Schweiz, wovon sich das Täufertum sehr schnell in viele Gegenden Europas verbreitete. So kam das Täufertum, vor allem durch die Predigten von Melchior Hofmann, auch in die Niederlanden. Es entstanden kleinere und größere Gruppen, die von der Obrigkeit strengstens verfolgt wurden. In dieser Zeit erweckte Gott einen katholischen Priester Menno Simons, der den zerstreuten Gemeinden einen sehr gesegneten Dienst erwies.
3.1 Menno Simons (1496- 1561) 1 Kor. 3, 11 "Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Diese Worte wurden zum Wahlspruch des in Witmarsum in Friesland geborenen Menno Simons.
Die Kindheit Mennos Vater kam aus dem benachbarten Pingjum. Die Eltern sind wohl einfache Leute vom Land gewesen, und sie liessen den kleinen Menno, wie üblich, in der Pfarrkirche des heiligen Bonifatius taufen. Menno wurde wohl mit anderen Dorfjungen vom Küster ein oder zwei Jahre im Lesen und Schreiben unterrichtet. Mit ungefähr 9 Jahren fasste der kleine Menno den Vorsatz Geistlicher zu werden. Ob das von den Eltern kam oder sein eigener Wunsch war, wissen wir nicht. Ein Priester zu sein, war eine ehrenvolle Aufgabe, die nicht sehr viel Anstrengung abverlangte und ein gutes Einkommen garantierte.
Priester in Pingjum und Witmarsum Vom 23. bis 25. März 1524 besteht Menno in der alten Bischofsstadt Utrecht sein Examen und empfängt die Priesterweihe durch den Weihbischof von Utrecht Johannes Heetsveld. " Im Jahre 1524 bin ich, achtundzwanzig Jahre alt, zu Pingjum, dem Dorf meines Vaters, in den Dienst des Papstes getreten", schreibt Menno später. Sein Einkommen betrug 100 Goldgulden im Jahr, auch bekam er ein grosses Stück Land zur Verfügung. Obwohl Menno Gehilfe des Dorfpfarrers war, hatte er noch nie eine Bibel in der Hand gehalten. Menno schreibt dazu:" Ich fürchtete, ich könne beim Lesen derselben auf Abwege geraten". Als Menno schon ungefähr zwei Jahren in Pingjum Vikar gewesen war, bekommt er beunruhigende Zweifel:" So oft ich bei der Messe Brot und Wein zur Hand nahm, kam mir der Gedanke, dass es nicht Fleisch und Blut des Herrn sei", wie die katholische Kirche lehrte. Er sucht Rat im Neuen Testament und beginnt es aufmerksam zu lesen. Beim Lesen kommt Menno Simons schon bald zu der Entdeckung, dass das Volk in Bezug auf die Messe betrogen wird: Brot und Wein verwandeln sich nicht in das Fleisch und Blut, sondern erinnern an das Leiden und Sterben Christi. Nach 7 Jahren Vikarzeit in Pingjum, wird Menno nach Witmarsum berufen zum Pfarrer. Die Bibel wird für ihn immer öfter zur Quelle seiner Predigten. Im März 1531 kommen ein paar Bauern aus Witmarsum und Umgebung von dem Viehmarkt in Leeuwarden mit einer schrecklichen Nachricht: am 20. März wurde dort vor der Kanzlei ein Mann, Sikke Snijder, enthauptet, weil er sich taufen liess und eine Täufergemeinde gegründet hatte. Dieser Märtyrertod lässt Menno keine Ruhe mehr. Er untersucht die Schrift in Bezug auf die Taufe und findet von der Kindertaufe keine Spur. Peter Simons, der Bruder von Menno, beteiligt sich an der Besetzung des Oldeklosters von den Täufern und kommt dabei zusammen mit vielen anderen ums Leben. Diese Vorgänge versetzen Menno Simons in eine tiefe Krise." 0 Herr, die Vielzahl meiner Sünden erschreckt mich, meine Missetat kenne ich, die ich begangen hätte ... meine Sünden sind zahlreicher denn der Sand am Meer und Sternen im Himmel..." So hat Menno in sich selbst den Sünder entdeckt. Wenn man Mennos "Meditation über Psalm 25" liest, kommt man zum Entschluss, dass die grosse Umkehr, die Bekehrung, in Mennos Leben ganz gewiss biblisch und tiefgreifend gewesen ist.
Bruch mit Rom. An einem Sonntag, den 30. Januar 1536 legt Menno sein Priesteramt nieder. Damit nimmt er das Kreuz Christi auf sich. Nach dem relativen Wohlstand und der Ehre, die er als Priester genoss, ging er jetzt den Weg des Elends, Armut, Verachtung, Verfolgung, aber dieser Weg war der Weg des Herrn für ihn. Menno musste sofort sein Dorf verlassen, laut einigen Überlieferungen hielt er sich in Bauernscheunen in der Umgebung auf. Da hat er wohl auch gepredigt. Von seiner Taufe wissen wir nicht viel. Wahrscheinlich ist, dass er von Obbe Philips durch Ausgiessen einer Handvoll Wasser über den Kopf, noch in demselben Jahr getauft wurde. Denn schon im selben Jahr hatte Menno andere Menschen selbst getauft
Ältester der Täufer. 1537 hält sich Menno irgendwo zwischen Ems und Lauwers auf, vielleicht bei Gronningen. Er studiert die Bibel, schreibt Traktate. Und dann wird er von einer Gruppe, derer Sprecher Obbe Philips ist, aufgefordert das Amt eines Ältesten zu übernehmen. Menno zögerte, er ist nicht sehr begabt, hat keine gute Ausbildung und ist nicht sehr gesund. Aber, nach langem Ringen mit sich selber sagt er` Wenn es sein ... heiliger Wille ist, dass ich ihm zu Ehren dienen könnte..., seine väterliche Güte mir dann ein solches Herz und Gemüt möge verleihen." So wurde Menno Simons zum Ältesten der Täufer. In einem Dokument der Regierung vom 19. Mai 1541 wird Menno als " einer der wichtigsten Führer der verfluchten Sekte der Wiedertäufer" genannt. Menno hat, mit grosser Wahrscheinlichkeit, die Täufergemeinden in Köln, Bonn, Kleve und Goch besucht, dort gepredigt getauft und das Abendmahl ausgeteilt. Seine Tätigkeit erstreckte sich sogar bis zu den Limburger Dörfern Visseweert und Ilikhoven am rechten Ufer der Maas. Im Sommer 1549 machte Menno, zusammen mit Dirk Philips eine weite Reise nach Westpreussen. Viele Täufer waren dorthin geflüchtet, ein Teil von ihnen kam aus den Niederlanden. Die Täufer in Westpreussen hatten einige Schwierigkeiten, vor allem mit der Liebe zueinander. Und so ermahnt sie Menno später in einem in plattdeutsch geschriebenen Brief, einander zu lieben und nach dem Frieden zu streben. Aus diesem Brief wissen wir, dass er bis nach Livland getauft und gepredigt hat. Sogar in den baltischen Staaten Lettland und Estland finden wir Spuren seiner mühsamen Arbeit. In diesen Jahren ist er der einzige gewesen, der an der Ostsee getauft hat
In Holstein. In Holstein, in einen kleinem Dorf Wüstenfelde auf dem Landbesitz Fresenburg des Grafen Bartholomäus von Ahlefeldt fand Menno für sich und seine Familie Zuflucht Dieser Graf war sehr beeindruckt von dem Mut der Täufer, deshalb erlaubte er ihnen für einen Taler pro Jahr und Familie sich auf seinem Landbesitz niederzulassen. Hier konnte Menno die letzten sieben Jahren seines unruhigen Lebens wohnen und wirken. Am 31. Januar 1561 legt er sein müdes Haupt zur Ruhe. Die Nachbarn begraben ihn in seinem Garten.
Bedeutung von Menno Simons. Menno Simons war nicht der Gründer der Täuferbewegung, aber er hat einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung und Gestaltung des Täufertums geleistet Seine Schriften haben die Täufer nachhaltig geprägt Obwohl er als Theologe ein Laie blieb, ist seine Treue, mit der er der Gemeinde diente, beispielhaft. Trotz einiger Fehler, ist er die bedeutendste Gestalt der gesamten Täuferbewegung des sechzehnten Jahrhunderts.
3. 2 Mennoniten in West-und Ostpreußen Als ab 1530 die Täuferische Bewegung einen grossen Teil Europas ergriff, kam es zu schweren Verfolgungen. 1500 bis 2000 Märtyrer soll es allein in den Niederlanden gegeben haben. Hier wurden auch die Wiedertäufer zum ersten mal Mennoniten genannt, nach dem Ältesten der Wiedertäufer Menno Simons. Erst Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Täufer in den Niederlanden nicht mehr verfolgt, in der Schweiz gingen die Verfolgungen noch bis ins 19. Jahrhundert weiter. Und so entschlossen sich viele Täufer zur Flucht in das ferne Preussen. Und nicht nur aus den Niederlanden kamen die Täufer nach West-und Ostpreussen, sondern auch aus dem Niederreihe, Süddeutschland, Osterreich und aus Mähren. Rund 100 Jahre hindurch floss ein breiter Flüchtlingsstrom ins Weichseltal und andere Gegenden Preußens. In Preußen, unter den polnischen Königen, durften die Mennoniten friedlich leben und glauben. Sie haben riesige Flächen des Sumpfgebietes in Weideland verwandelt, auf dem in Kürze viele neue Dörfer gebaut wurden. Es entstanden viele Gemeinden, die noch von Menno Simons besucht wurden. Die Mennoniten bemühten sich ihr persönliches Leben und auch das Leben der Gemeinde nach dem Worte Gottes zu richten. Die Reinheit der Gemeinde war von Anfang an eines der wichtigsten Ziele der Mennoniten. Aber in manchen Fragen, wie zum Beispiel des Bannes, des Ausschlusses aus der Gemeinde, gingen schon damals die Meinungen weit auseinander. Und so trat 1586 eine Aufspaltung in 2 verschiedene Richtungen ein. Jetzt gab es Friesen und Flaminger. Wollte, zum Beispiel, ein Gemeindeglied der Friesen anlässlich seiner Heirat zu der flämmischen Gemeinde übertreten, so musste er sich noch einmal taufen lassen. Das kann auch uns heute noch eine Mahnung sein. Schliesslich einigten sich die meisten Täufer dann doch noch wieder. 1772 fielen Westpreussen und Danzig an Preußen. Es war eine Zeit der militärischen Aufrüstung in Europa. Frankreich und Preussen vorbereiteten sich auf einen Krieg. Und so brauchten die preussische Herrscher mehr Soldaten. Ein jeder der ein Grundstück besitzen wollte, musste nun Wehrdienst leisten. Das konnten aber die Mennoniten mit der Bergpredigt unseres Herrn nicht vereinbaren. Zu dem kam auch noch die Knappheit des Ackerlandes. Die Mennoniten hatten viele Kinder und das Land reichte nicht mehr aus für alle. So dass viele den einzigen Ausweg in der Auswanderung sahen.
3.3 Mennoniten in Russland Zu der Zeit liess die russische Kaiserin Katharina die II, die eine deutsche Prinzessin gewesen war, einen Ruf an die westpreussischen Mennoniten ausgehen. Sie brauchte Bauern, die die südlichen Grenzen Russlands besiedeln würden um somit die Grenzen zu festigen. Volle Religionsfreiheit, Wehrlosigkeit für ewige Zeiten, 71 Hektar Land an jede Familie wurden versprochen. 1786 reisten 2 mennonitische Deputierte Höppner und Bartsch nach Südrussland, wo sie von dem Fürsten Potemkin und der Kaiserin freundlich empfangen wurden. Durch ihre Berichte kam es dann 1788 zu der ersten Auswanderung der Mennoniten nach Südrussland.
Die Gründung der 4 Mutterkolonien 346, meist arme Familien, machten sich auf den Weg. Leider waren unter ihnen keine Prediger oder Älteste, und so hatte diese Gruppe recht viele Probleme auch auf dem geistlichen Gebiet. Schliesslich wählten sie sich einen Ältesten Berend Penner, der dann aus Preussen schriftlich bestätigt wurde. Diese Gruppe siedelte bei Chortiza am Dnepr. Eine andere Gruppe von etwa 1200 Familien kam zwischen 1803 und 1835 an den Fluss Molotschna, 200 km südöstlich von der "alten Kolonie". Diese Gruppe war besser ausgestattet, hatte ein gewisses Startkapital und hatte unter sich Älteste und Prediger. Die Siedler in Molotschna kamen relativ schnell zum Wohlstand. Nachher sind immer wieder kleinere Gruppen dazu gekommen. Beide Kolonien Chortiza und Molotschna entwickelten sich unabhängig, hatte aber einen gewissen Austausch. 1853 und 1859 zogen weitere Gruppen aus Westpreussen nach Südrussland und siedelten östlich der Wolga. Ihre Kolonie wurde "Am Trakt" genannt. In den Jahren von 1859 bis 1870 errichtete eine nächste Gruppe in der Nähe die Kolonie Alexanderthal. 1870 dürften etwa 40 000- 50 000 Mennoniten in den Kolonien gelebt haben. Ungefähr 18 000 von ihnen gingen in der Zeit nach Amerika. Um 1920 waren es 100 000 bis 120 000 Mennoniten in Russland.
Tochterkolonien Aus den so genannten "Mutterkolonien" entstanden bis 1910 38 "Tochterkolonien". Besonders bekannt sind die Ansiedlungen in der Krim, am Kuban, am Terek, in Turkestan, in Orenburg, im Altai, in Omsk. Kurz vor dem 1. Weltkrieg besassen die Mennoniten in Russland 15 295 qkm Land, das ist fast soviel wie, zum Beispiel, das ganze Land Reihnland - Pfalz.
Wirtschaft und Organisation Die Mennoniten betrieben Viehzucht, Seidenraupenzucht, Bienenzucht, Obst -und Gemüseanbau und Weizenanbau. Ein grosser Organisator der russlanddeutschen Mennoniten war Johann Cornies. Mit gerade mal 28 Jahre ernannte die russische Regierung ihm zum "Bevollmächtigten aller Mennoniten Russlands". Er führte eine festgeregelte Ordnung ein, die nur den Faulen lästig war. Cornies schrieb einmal über sich selbst:" Ich verlasse mich auf keine Menschen und kehre mich auch nicht an die Schmähungen andersdenkender, sondern auf Gott, meinem Heiland, setze ich mein Vertrauen. Jetzt kann jeder unter uns viel tun, die Zeit ist da, aber nur nicht kalt, nicht lau, sondern in Gottes Namen frisch ans Werk!" Jedes Dorf hatte eine Behörde, welcher ein gewählter Schulze vorstand. Der Schulze überwachte die eigenen Schulen, die Strassenpflege, verfügte über Gerichtsgewalt.
Das Gemeindeleben In der Chortiza- Kolonie hatte Cornelius Warkentin das kirchliche Leben geordnet und organisiert. Es gab da eine grosse flämische und eine kleinere friesische Gemeinde. An der Molotschna wurde schon 1805 Jacob Enns als Ältester gewählt Hier entstanden 7 Gemeinden. Allerdings gab es grosse Schwierigkeiten zwischen dem Ältesten und dem Oberschulzen Klaas Wiens. An der Molotschna entstand dann auch die so genannte "kleine Gemeinde" (heute Evangelische Mennoniten). 1814 rief Klaas Reimer eine Gruppe zusammen und führte sie von der mennonitischen Mehrheit weg. Diese Gruppe war sehr bestrebt ein heiliges Leben, "ohne Runzeln und Flecken" zu führen. Aber weil sie sehr abgegrenzt lebte, hatte sie keinen grossen Einfluss aus die anderen Siedler. Eine weitere Gruppe, die Mennoniten- Brüdergemeinde, bildete sich 1860. Diese Gruppe entstand aus einer Erweckungsbewegung, die durch den württembergischen Pietisten Eduard Wüst in Südrussland hervorgerufen wurde. Seine Predigten ergriffen viele Kolonisten. Er rief zur Busse und Bekehrung. 1860 erklärten 18 Brüder ihren Austritt aus der allgemeinen Mennonitengemeinde, die zu der Zeit zu einer Volkskirche wurde und geistlich verflacht war. Sie wählten eigene Diener, führten eine neue Taufform ein und wollten nur echt gläubige Menschen taufen. Die Gründung der neuen Gemeinde führte dann zu erheblichen Spannungen zwischen den neuen und alten Gemeinden. 4 Jahre lang dauerten die oft unrühmlichen Auseinandersetzungen, die auch die russischen Behörden beschäftigten. Die Spaltung zwischen Mennoniten- Brüdergemeinde und Kirchlichen Mennoniten ging bald durch alle Gemeinden. Auch die alte Gemeinde wurde dadurch aufgerüttelt. Ein lebendiges, tätiges Christentum hielt auch in diesen Gemeinden Einzug. Diese Gemeinde wurde nun Kirchliche Mennoniten genannt. Die Erneuerung in diesen Gemeinden gestaltete sich sehr schwer: was sollte man mit den Gleichgültigen, mit den NamensMennoniten tun? Letztendlich entschloss sich diese Gruppe zur Zusammenarbeit mit den neuen Gemeinden. 1882 wurde die "Allgemeine Bundeskonferenz der Mennoniten" gegründet, wo man sich verständigte zusammen das Schulwesen und Diakonie zu regeln.
Die Zeit der Auflösung Die Revolution 1917 leitete den Untergang der mennonitischen Kolonien in Russland ein. Viele Mennoniten wurden als landbesitzende Bauern (Kulaken) der Ausbeutung der Armen beschuldigt und enteignet. Die anarchistischen Terrorbanden von Nestor Machno wurden zum Schrecken vieler Mennoniten. Zwischen 1923 und 1930 gelang es den mennonitischen Hilfsorganisationen ca. 23 000 russländische Mennoniten über Deutschland nach Kanada zu bringen. Auf die Zerstörungen des Bürgerkrieges folgten die Hungersnöte (1922- 1924 und 1932- 1934). Dann wurden die Gottesdienste verboten, die Prediger und Älteste verschleppt Als die deutsche Armee in die Sowjetunion 1941 einmarschierte, wurden die an der Wolga lebenden Deutsche deportiert. In der Ukraine durften die Mennoniten, während der deutschen Besatzungszeit, wieder Gottesdienste und Tauffeste abhalten. Aber seit dem Frühjahr 1943 ging die deutsche Front zurück und im Spätsommer setzte sich ein grosser Flüchtlingstreck in Bewegung. Unter Regen, Schnee und Kälte ging dann dieser Treck westwärts. Schon auf deutschem Gebiet ereilten die Einheiten der Roten Armee die Flüchtlinge und so wurde ein grosser Teil von ihnen zurück, nach Russland, gebracht. Seit den 60-er Jahren konzentrierten sich viele Mennoniten in Zentralasien und Kasachstan. Hier entstanden grössere Gemeinden in Karaganda, Alma- Ata, Dshambul, Politotdel, Krasnoretschka, Romanowka, Tokmak, die bis zu der grössten Ausreisewelle (1988- 1993) existierten. Auch die mennonitischen Siedlungen in Orenburg, Ältai, Omsk, Pawlodar, Nowosibirsk, Amur und andere sind zum grössten Teil aufgelöst. Seit 1972 sind mehr als 100 000 Mennoniten aus Russland nach Deutschland umgesiedelt.
4. Weltweite Bruderschaft
Heute gibt es weltweit etwa 925 000 getaufte Mitglieder in den verschiedenen Gemeinden und Richtungen. Auf 5 Kontinenten der Welt, in 175 Völkern sind die Mennoniten zu Hause. 1982 lebten ca. 22 000 Mennoniten in den Niederlanden, 8 000 in der Schweiz, 235 000 in USA, 92 000 in Kanada, 98 450 in Afrika, 20 400 in Lateinamerika, 101 700 in Asien. Die Zahl der Mennoniten in Deutschland lässt sich noch nicht feststellen. Der Herr hat unsre Bruderschaft durch mehrere Jahrhunderte bewahrt und geführt. Lasst uns auch aus der Geschichte lernen: das Wort des Herrn hat sich bewahrheitet: Matth. 16,18 "ich will meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. "
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